Liebe Unterstützer, liebe Freunde, liebe Mitmenschen!
Wieder Weihnachten.
Wieder ein Anlass, sich der eigenen Wurzeln zu erinnern und damit dem Verwobensein mit dieser Welt. Wer als Säugling geboren ist, so wie dieses Christuskind, entwächst seinen Bindungen nie vollkommen – und strebte er danach. Als Menschen sind wir darauf angewiesen, dass die Welt es irgendwo gut mit uns meint. Tut sie es nicht, wird es kalt und finster.
Zum Glück schenkt uns das Leben einen gewissen Spielraum der Einflussnahme: je mehr wir in dieser Welt einen Ort erblicken, der das leise Glück für uns bereithält, desto eher werden wir ihm begegnen. Selbst dann, wenn Fortuna ganz offensichtlich nicht Pate bei unserer Wiege stand. Dies lehrte mich jüngst ein alter Mann aus Afrika, dem ich in einer Art Armenspeisung begegnete. In diesem Haus voller Betriebsamkeit unter den Obdachlosen und denjenigen mit Zuhause, die warmes Essen ausgaben, strahlte er etwas Eigenartiges aus, das mich bis heute nicht verlassen hat: ein tiefes Einverstandensein mit seinem Leben. Seine Würde umgab ihn beinahe sichtbar, wie in einem Schein und erinnerte daran, dass sie niemals mit Füßen getreten werden darf.
Damit das aber nicht passiert, sind wir Menschen aufgefordert, uns um diese Menschenwürde zu sorgen! Wenn sie in akuter Gefahr ist, wie in den Jahren ab 2020 in gesamtgesellschaftlicher Breite, aber auch heute, in allen chronisch verletzenden Situationen. Schauen wir doch in die Alten- und Pflegeheime, schauen wir in Kinderkrippen, schauen wir zu den Armen und zu denen, die zu schwach sind, um sich aufzurichten. Wenn auch Einzelne unter den Vielen diese Menschenwürde nicht vergessen, tut das System den Rest. Wie kann sich Menschenwürde da entfalten? Ein großes Aufgabenfeld verlangt nach unserer Beachtung, doch der erste Schritt ist getan, wenn wir uns darin üben, unser Gegenüber als das zu erkennen, was es ist. Ein Mensch! Ein Mensch mit seiner Würde!
Damit diese Menschenwürde nicht völlig vergessen wird, obgleich doch beständig von ihr gesprochen wird, bleiben wir. Unser Verein hat es sich in den vergangenen Wochen zur Aufgabe gemacht, sein Aufgabenfeld zu erweitern. Hierfür haben wir die Satzung überarbeitet, um künftig auch die rechtliche, politische und gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung des Geschehens im Zusammenhang mit der sogenannten Corona-Pandemie unterstützen zu können. Ein konkretes Projekt haben wir dabei im Blick. Nach Abschluss des urkundlichen Prozederes werden wir Sie hierüber informieren.
In der vergangenen Woche habe ich aus der Kirche unserer Gemeinde ein Licht mit nach Hause genommen, das eine beachtliche Reise zurückgelegt hat: eine kleine Flamme aus Bethlehem. Aus der Geburtsgrotte geholt von einem Kind und mit dem Flugzeug nach Wien gebracht, in einem speziellen Glasbehälter, einem solchen, der brennende Flammen in Flugzeugen erlaubt macht. Von Pfadfindern sodann in Europa verteilt, auch nach München und in meine kleine Gemeinde.

Das Bethlehem-Licht, bei uns angekommen.
So viel Aufhebens um ein kleines Flämmchen? So manch einer hat zunächst dezent die Augenbraue gehoben, als ich enthusiastisch von unserem Licht erzählte, das wir nun sorgsam von Kerze zu Kerze behüten und sogar weiterreichen über Landkreisgrenzen hinweg und in andere Bundesländer. Ist das nicht ein bisschen viel Spektakel um eine gewöhnliche Flamme? „Hier liegt ein Feuerzeug“, meinte ein Bekannter, als er mir zusah, wie ich umständlich diese Flamme auf dem Adventskranz verteilte. Dass es sich um „eine gewöhnliche Flamme“ handelt, das stimmt vielleicht in materia, aber eben nur da.
Diese Flamme ist ein Friedenslicht. Ein Friedenslicht aus Bethlehem! Aus jenem Ort, in dem der Frieden in einem kleinen, nackten Säugling, geboren in einem Stall, auf unsere Erde gekommen ist, weil die politischen Umstände es nicht anders zuließen. Wie aufgeladen sie ist, mit Wünschen und so viel Hoffnung! Sie erinnert uns daran, dass wir in unserem tiefsten Wunsch nach Frieden verbunden sind.
Diese kleine Flamme steht neben uns, wenn wir den ersten Schritt auf dem Weg zum Frieden gehen möchten: dem Einverstandensein damit, dass die eigene Wahrheit nicht zum Maßstab für diese Welt erhoben werden muss. Sie leuchtet uns, wenn wir uns gegen systemische, politische und menschliche Widerstände dafür einsetzen, die Menschenwürde zu verteidigen, die unauflöslich mit der Freiheit des Menschen verwoben ist.
Wir möchten Sie ermuntern, das kleine Licht in sich gut zu hüten. Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung! Frohe Weihnachten!
Mit herzlichen Grüßen,
Lisa Marie Binder
Erster Vorstand
